Oma

Die Trauerfeier findet heute um 13 Uhr in Hamburg statt.
via wirres.net
Heute war die Trauerfeier für meinen ehemaligen Chef. Eigentlich wollte ich die Ex-Kollegen zu einem anderen Anlass wiedersehen, aber das ist das Leben.
Während der Feier gingen mir so einige Stationen meiner Ausbildung und den zwei Jahren Festanstellung durch den Kopf. Es gab Situationen, da hätte ich am liebsten alles hingeworfen. Aber dann gab es auch Situationen wo ich es sehr schätzte genau da zu arbeiten. Zum Beispiel als ich einmal aus lauter Frust einen Stuhl durch Büro kickte.. und zwar ordentlich! Als er das dann erfuhr meinte er, dass ich nicht immer den Frust und Ärger in mich reinfressen, sondern bei Zeiten laut werden soll. Das war dann ein Treffer ins Schwarze.
Ab und an konnte ich auch dem Pastor zuhören. Zwei Sachen haben mich aufhorchen lassen. Das erste war, dass er wohl gerne Saxophon gespielt hat und das andere, dass er in Münster gelernt hat. Ersteres hätte ich nicht geglaubt wenn es mir jemand gesagt hätte. Und Münster… :)
Als ich an meinem letzten Arbeitstag in seinem Büro sass, sagte er zu mir, dass seine Tür immer für mich offen steht.
Da hatte ich dann ein sehr schlechtes Gewissen. Nicht weil ich gekündigt hatte, aber über das wie und dass mir trotz allem noch solche Angebote gemacht wurden.
Die letzte Mail die ich von ihm bekam endete so:
Hatten derzeit richtig Stress.
Ist jetzt rum..Bis bald
Ws
Eigentlich wollte ich heute über den vereitelten Amoklauf schreiben, aber eine Email die ich heute morgen bekam hat dann meinen Tag verändert.
Die Email kam von einer ehemaligen Kollegin:
Weiß nicht wie ich es dir sagen soll…. deshalb mache ich es so.
Betreff:
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
wir müssen Ihnen heute die traurige Nachricht übermitteln, dass unser langjähriger verantwortlicher Leiter für die EDV, Herr Winfried Schulz, gestern plötzlich verstorben ist.
Herr Schulz. hinterlässt eine Familie mit 2 Kindern.
Dies ist ein schwerer Schlag für Familie und Angehörige, gleichermaßen auch für uns!Sobald wir weitere Informationen über die Beisetzung haben werden wir Sie rechtzeitig informieren.
Mit freundlichen Grüßen
W.G. H.-G. G. J. F.
Herr Schulz ist mein ehemaliger Chef und dem ein oder anderen hier vielleicht bekannt.
Ich habe am Donnerstag noch eine Email von ihm bekommen, in der er sich quasi dafür entschuldigte, dass einige Sachen so lange dauern und dass er sich ab Dienstag mit den Sachen befasst. Ich war deswegen schon etwas sauer und schon zufrieden, dass sich da nun etwas bewegt. Auch hatte die Mail für mich etwas versöhnliches, spiegelte aber wohl auch mein Verhältnis bzw. mein Eindruck von ihm wieder.
Eigentlich war er ein ziemlich gute Vorgesetzter, der Mensch hinter seinen Mitarbeitern war ihm immer wichtig. Allerdings kamen manchmal auch Reaktionen von ihm, die nicht sonderlich schön waren. Beispielsweise hat er mal damit gedroht, dass bei Weigerung den Bereitschaftsdienst zu übernehmen, der Bereitschaftsdienst auch von der tschechischen Abteilung übernommen werden kann, dann allerdings auch der Rest der Arbeit. Oder die Diskussion, ob die Mitarbeiter der EDV beim Umzug wirklich die Osterfeiertage damit verbringen sollen die Schreibtische zu zerlegen und in die neuen Räume schleppen, wurde mit dem Satz. Es sind eure Arbeitsplätze die Ihr da umzieht beendet.
Auf der anderen Seite war er aber wiederum sehr gerecht.
Als einmal ein Mitarbeiter mit seinen (zu vielen) Projekten nicht fertig wurde und das im Zweiaugengespräch mit “Ich hatte den M. gefragt ob er was übernehmen kann, aber der hat mit: Du hast deinen Kram und ich hab meinen Kram. geantwortet.” Bevor er die Diskussion fortsetzte holte er M. mit in die Diskussion und erklärte, dass er diese Aussage erstmal ungewertet stehen lässt, weil er nicht nachweisen kann, ob sie fiel oder nicht. Er will aber, dass Herr M. nun auch dabei ist, damit nicht hinter seinem Rücken über ihn geredet wird.
Mein Chef hatte zwei Seiten, aber, und das schreibe ich jetzt nicht, weil er tot ist, die positiven haben überwogen. Was er immer wollte, aber nie erreichte, war eine Abteilung die als sich Gemeinschaft verstand. Leider gab es untereinander viel zu viele Grabenkämpfe um dies zu erreichen und eigentlich hockte und hockt jeder in seinem eigenen Graben.
Ich hoffe, dass er es jetzt besser hat. Seinen beiden Söhnen und seiner Frau stehen aber wohl schwere Zeiten bevor.
Jakob: Klar, dass Du traurig bist. Du musst auch traurig sein.
Maria: Aber muss ich denn traurig bleiben?
Jakob: Nein, es kommen auch andere Tage. Die sind dann nicht mehr so traurig.
Maria: Und……wenn sie nicht kommen?
Ändern die jetzt eigentlich das Kreuz auf der Flagge?
Dann bin ich wohl nun per Definition unglücklich.
Zumindest sehr nah dran.