Gestern hat Google seinen teilweise selbstentwickelten Browser namens Chrome veröffentlicht. Eigentlich werden Neuheiten von Google in Blogs und anderen Medien meist gefeiert und im positiven Licht dargestellt. Bei Chrome ist das nicht ganz so, zwar werden die technischen Besonderheiten von Chrome schon als positiv bewertet, allerdings sind viele von diesen Neuheiten gar nicht so neu. "Privacy Browsing" gibt es in Safari schon länger, der Internet Explorer bot zumindest früher die Möglichkeit, dass jedes Browserfenster ein eigener Prozess ist, Tabs gab es damals noch nicht.
Weiter soll der Browser durch seine
schlichte Oberfläche glänzen. Nach einem kurzen Test auf einem
eeePC 901 kann ich das allerdings auch nicht als Besonderheit bezeichnen, Chrome und Safari liegen hier gleich auf. Aus Anwendersicht kommentiert
Robert Basic Chrome mit:
“its crap”. Sehe nix, was mich sonderlich als User interessieren müßte. Was unter der Haube steckt, interessiert eh nur die Techies.
Und was interessiert die Techies? Wohl eher der Funkverkehr zwischen Chrome und den Google-Servern. Dazu gibt es bei
Googlefalle zu lesen, dass
Beim 45-minütigen Surfen zwischen 22:35 und 23:19 stellte Chrome nicht weniger als 53 (!) Mal die Verbindung zu Google her und übermittelte Daten von und zu Google.
An
verschiedenen Stellen ist zu lesen, dass der Browser Open Source wäre und darum jeder im Code nachlesen könne, was wohin gesendet wird. Und das ist ein Trugschluss, denn Chrome ist alles andere als offen. Open Source ist
Chromium und Chrome basiert nur darauf. Das bedeutet, das abgesehen von Google niemand genau sagen kann, was da an die Google-Server geschickt wird.
Pressetext.at stellt zwar fest, dass die Datenschutzbestimmungen erläutern was an Google gesendet wird:
Der erste Punkt erläutert sogleich, dass Google über alle aufgerufenen URLs in Kenntnis gesetzt wird. Dies sei notwendig, um Adressvorschläge zu machen und das Surfen zu verbessern. Ebenso werden aufgerufene, aber nicht vorhandene URLs an den Google-Server gesendet. Der Browserverlauf bleibt also nicht auf dem Benutzerrechner gespeichert, sondern wird direkt auch an das Online-Unternehmen gesendet.
Aber was dann auf GoogleSeite mit den Daten passiert geht daraus auch nicht hervor.
vowe.net verweist darauf, dass pro Chrome-Installation eine oder mehrere eindeutige Nummern erzeugt werden, die dazu dienen, den Browser beziehungsweise den User zu identifizieren.
Im Gegensatz zu Apple oder Microsoft, die ihr Geld vornehmlich mit Hard- und Software verdienen, steht bei Google das Sammeln und auswerten von Daten im Vordergrund. Für den normalen Anwender wird dies mit den Anzeigen, die Google generiert am offensichtlichsten, aber wie hinter den Kulisen mit den Daten gearbeitet wird, bleibt unsichtbar.
Für Google wird die Arbeit durch Chrome erheblich einfacher. Bisher mussten Daten mühsam gesammelt werden. Dabei bediente sich Google vornehmlich über die eigenen Suchanfragen, aber auch durch AdSense und für den Anwender unsichtbare Tools wie Google Analytics. Wer dazu z.B. ein Konto bei GoogleMail hat, liefert die Möglichkeit die gesammelten Daten mit einer konkreten Adresse zu verknüpfen.
Angeblich gilt bei Google immer noch das Motto
Don't be evil!, allerdings ist mehr als fraglich wie
evil definiert wird.